Thomas Mütze zu Gast bei den Grünen in Obernburg

13. Dezember 2011

Bericht von Ansgar Stich

Muss erst etwas passieren, dass etwas passiert?  

Der Aschaffenburger Abgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Thomas Mütze als Gast auf der Verkehrsortsversammlung von Bündnis 90/Die Grünen Obernburg

Eisenbach und Obernburg sollen auch radfahrtechnisch zusammenwachsen. „Es ist ein Armutszeugnis für die Stadt Obernburg“, betonte der grüne Ortssprecher und ehemalige Stadtrat Roland Arnold auf der Verkehrsortsversammlung der Obernburger Grünen: „Über 30 Jahre nach der Gebietsgemeindereform gibt es immer noch keine geschlossene Radwegverbindung vom Stadtteil Eisenbach in die Stadtmitte Obernburgs.“ Auf Einladung der Grünen ließ sich der Aschaffenburger Abgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Thomas Mütze am letzten Samstag in einer Ortsbegehung die besonders kniffeligen Ecken im Straßenverkehr der Römerstadt zeigen.

Stadtrat Ansgar Stich erläuterte die Kreiselpläne an der Einmündung in die B426 auf der Höhe des Lidl-Markts: „Im Zuge des Kreiselbaus hätten wir ein Stück Radweg finanzieren können, um die Lücke im bestehenden Netz zu schließen.“ Allerdings sind diese Pläne nach Meinung der Grünen nicht energisch genug verfolgt worden. Man hätte mit allen Grundstückbesitzern realistische Verhandlungen führen müssen, stattdessen wurde nach halbherzigen Versuchen vorschnell „die Flinte ins Korn geworfen“, so Stich. Thomas Mütze versprach, sich mit dem Aschaffenburger Straßenbauamtsleiter Biller erneut in dieser Angelegenheit in Verbindung zu setzen, um hier doch noch eine Lösung zu erzielen.

Dem weiteren Verlauf einer möglichen Radwegeverbindung folgend wurde am nächsten neuralgischen Punkt Halt gemacht: Die Verkehrssituation am Anschluss der Elsenfeld-Obernburg-Brücke im Bereich der Polizeiinspektion wurde als besonders problematisch gesehen. Dem Bürger Fritz Helleiner lag besonders die Möglichkeit für Fußgänger und Radfahrer zur Straßenquerung an dieser Stelle am Herzen. Ortssprecher Arnold favorisierte in diesem Zusammenhang eine Radweg- und Fußgängerführung bergseitig der Miltenberger Straße: „Die maroden Weinbergmauern müssen ohnehin gemacht werden, dann kann hier ein durchgängiger, sicherer Weg entstehen.“

Stadtrat Ansgar Stich stellte die Vorschläge dar, mit Hilfe derer die Brücke für die zukünftig zu erwartenden erhöhten Verkehrsbelastungen, etwa wegen der Erweiterung des Glanzstoff-Industriegebiets, ertüchtigt werden soll. Die Pläne des Straßenbauamts, eine neue Brückenauffahrtsrampe zur Entlastung der bisherigen stauträchtigen Linksabbiegereinmündung auf der Brücke zu bauen, stießen allerdings auf deutliche Skepsis. Diese Betonrampe würde z. B. der Anna-Kapelle sehr bedrohlich nahe rücken und im weiteren Verlauf die Friedhofsruhe doch bedenklich stören. Es erschien fraglich, ob sich der Einsatz von 12 Millionen Euro dafür lohne. „Lieber“, so der grüne Verkehrsexperte Thomas Mütze, „sollte geprüft werden, ob die Ertüchtigung nicht mit Hilfe eines Kreisels an der bestehenden Einmündung erfolgen könne.“ „Auf diese Art ließen sich Anforderungen des Verkehrs und der Schutz sensibler Kulturgüter Obernburgs wie die Anna-Kapelle deutlich besser in Einklang bringen“, unterstützte Stadtrat Ansgar Stich, „außerdem spare man bei möglicherweise gleichem Nutzen auch noch Geld.“ Auch hier sagte Thomas Mütze zu, sich für eine intensive Prüfung dieser Variante einzusetzen.

Ein weiteres, gerade Radfahrer gefährdendes Problem besteht auf der Brücke selbst: Da die Straße besonders zu morgendlichen Stoßzeiten extrem stark und eng befahren wird und der Bordstein bedrohlich hoch ist, „flüchten“ Radfahrer auf den Gehweg. Hier ist jedoch (s. Bild) das Geländer so niedrig, dass zu fürchten steht, ein Radfahrer (oder auch Fußgänger) könne im Falle einer Anrempelung, vor Schreck oder bei einem Überholvorgang über das Brückengeländer auf den Festplatz oder in den Main fallen. „Wir sollten nicht warten, bis ein solches Unglück geschehen ist und es heißt: Muss immer erst etwas passieren, dass etwas passiert!“, so die Obernburger Grünen unisono: „Hier müsste das Geländer dringend erhöht werden!“

Abschließend ließ sich der verkehrspolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Thomas Mütze noch Römerstraßenpflaster und zweispurige Lindenstraße zeigen. Über Konzepte wie shared space in der Innenstadt wurde gesprochen. Mütze hält Tempo 30 für die Lindenstraße für unabdingbar, gerade wenn wegen des besseren Verkehrsflusses die den Verkehr bremsenden Parkplätze entfernt werden sollten.

Der Aschaffenburger Landtagsabgeordnete und Verkehrsexperte der grünen Fraktion Thomas Mütze sagte seinen persönlichen Einsatz bei einem ganze Paket an Anliegen aus der Ortsversammlung  zu, u. a. die Kreisel- und Radwegprüfung an der B 426, eine Ertüchtigung der Elsenfeldbrücke mit Hilfe eines Kreisels im Gegensatz zur Rampe und die Erhöhung des Brückengeländers aus Sicherheitsgründen.

Stadtrat Ansgar Stich fasste die deutlich werdenden Hoffnungen der Obernburger Grünen zusammen: „Wir brauchen einen ruhigen, sicheren Verkehrsfluss in Obernburg: Radfahrer und Fußgänger müssen geschützt, An- und Verbindungen optimiert und Geschwindigkeiten heruntergesetzt werden. Zwar sollten selbstverständlich Geschäfte und Wohnhäuser mit dem Auto erreicht werden können, nichtsdestotrotz muss ein Umdenken vom Auto zum Fußgänger bzw. Radfahrer geschehen.“ Die Lebensqualität in der Stadt hängt nicht nur für Eltern, deren Kinder und ältere Menschen entscheidend damit zusammen!   

 Text von Ansgar Stich

Mehr Energie von unten nach oben

15. November 2011

 

Unterfränkischer Energiewende-Kongress lockte rund 150 Teilnehmer nach Würzburg

Würzburg

Am Kongress, der auch unter dem Motto „Das Geld in die Kommunen holen” stand, kamen Umweltverbände, Aktionsbündnisse und verschiedene, atomkritische Parteien zusammen. Organisiert wurde der Kongress von der Klima-Allianz Würzburg, deren Sprecher Martin Heilig hervorhob: „Von der Energiewende sollen nicht wieder nur Großaktionäre und -konzerne profitieren, sondern die Bürger”, weshalb man in erster Linie kommunale Kräfte nach Würzburg geladen hatte.

Ein dieser Kräfte war Annemarie Fell, Ehefrau des Grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell. Die Hammelburger Stadt- und Bad Kissinger Kreisrätin forderte in „ihrem Workshop”, bestehend aus Mandatsträgern aus Bad Kissingen, den Haßbergen, Rhön-Grabfeld und Main-Spessart, Rahmenbedingungen für Bürgerinitiativen: „Wir brauchen Spielregeln, damit diese sich vernetzen können und dann auch in den Räten gehört werden.” Vor allem Bürgerinitiativen seien bei der Energiewende gefragt, so Annemarie Fell. Die Bürgermeisterin von Biebelried, Renate Zirndt, setzt wie Fell für das gemeindliche Energieprojekt auf die Bürger. Für ein gut 50 Hektar großes Gebiet in Kaltensondheim werden von der Gemeinde Investoren gesucht, um einen Energiepark auf die Beine zu stellen. Für diesen Energiepark ist eine Genossenschaft vorgesehen, die Biebelrieder ürger sollen daran beteiligt werden.

Eben über Genossenschaften referierte Michael Diestel von Agrokraft aus Bad Neustadt. Seine Informationen und die der anderen Referenten bildeten die Basis für die Workdhops am Nachmittag. „Man merkt überall den Hunger nach Projekten – nur an der Struktur hapert’s meist”, wusste Diestel zu berichten. Mit Agrokraft hab man Experten in der Hinterhand, um Energiegenossenschaften zu etablieren und um das ganze Verfahren, bis beispielsweise ein Windrad auch Strom liefert, zu bewältigen. Das Agrokraft-Konzept wurde in diesem Jahr mit dem renommierten Georg-Salfamoser-Preis ausgezeichnet, unterstrich Diestel nicht ohne Stolz.

Doch nicht nur auf dem Land greifen die ersten Konzepte, auch in Würzburg selbst hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Stadträtin Karin Miethaner-Vent von den Grünen und Peter Saam von den Würzburger Stadtwerken hoffen, dass das Würzburger Klimaschutzkonzept nun schnell in die Tat umgesetzt wird, setzen dabei auch auf mehr „Beteiligung von unten”.

„Der erste Energiewende-Kongress Unterfranken kann nur ein Startschuss sein”, so Martin Heilig. Er und die Klima-Allianz Würzburg zeigten sich nach dem Kongress sehr zufrieden: „Es ist eine tolle Sache, dass wir einen bunten Blumenstrauß von Menschen mit dem Kongress erreichen konnten – vereinzelt auch aus dem bürgerlichen Lager”, so Heilig.

Mit rund 150 Teilnehmern war der unterfränkische Energiewende-Kongress am Wochenende in Würzburg überaus gut besucht. Vor allem, da die Bandbreite der Teilnehmer von interessierten Bürgern über Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte bis hin zu Bürgermeistern reichte und so verdeutlichte, dass die Energiewende am effektivsten von unten nach oben zu bewerkstelligen ist. Die große Politik muss lediglich die Rahmenbedingungen liefern.