Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Thomas Mütze vom 09.01.2012
6. März 2012Anlagen: 5 Abdrucke dieses Schreibens
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
die Schriftliche Anfrage beantworte ich wie folgt:
Frage 1: Wie viele Störungen auf Münchner S-Bahnstrecken gab es im vergangenen
Jahr?
Diese Frage lässt sich nicht mit einer Zahl beantworten. Verspätungen
werden vorfallbezogen erfasst. Bei Vorfällen handelt es
sich nicht immer um abgrenzbare Störungen. So fließen beispielsweise
Verspätungsminuten aus verlängertem Fahrgastwechsel,
aus Zugfolge wegen belegten Fahrwegs (z.B. S-Bahn
wird durch einen Fernverkehrs- oder Regionalverkehrszug überholt),
aus behördlichen Anordnungen (z.B. nicht zuzuordnende
Gepäckstücke auf der Flughafenlinie, angepasstes Fahren bei extremer
Witterung, usw.) in die Erhebungen mit ein, obwohl sie keine
„Störungen“ sind.
Frage 2: Wie viele S-Bahnen sind dadurch
a. verspätet worden,
Die Ausführungen zu Punkt 1 gelten analog. Bei der S-Bahn
München verkehren täglich über 1000 Züge, die durchschnittliche
Pünktlichkeit im Jahr 2011 lag bei 93,9 %.
b. ausgefallen?
Die Ausführungen zu Punkt 1 gelten analog.
Zugausfälle werden sowohl von geplanten Baubetrieben als
auch durch ungeplante Ereignisse im Betrieb verursacht. Bei
größeren Verspätungen im Gesamtsystem der S-Bahn, im
Besonderen als Folge von Störungen in der Stammstrecke
(Notarzteinsätze, usw.) und Personen im Gleis, fallen
vereinzelt Teilleistungen von Zügen aus, weil diese vorzeitig
gewendet werden müssen, damit die Gegenleistung wieder
pünktlich gefahren werden kann. Auf Grund fehlender Puffer
der Infrastrukturkapazität – speziell in der Stammstrecke – gibt
es keine Alternativen zu vorzeitigen Wenden.
Frage 3: Wie hoch ist die Pünktlichkeit der Münchner S-Bahn?
Die Pünktlichkeit der S-Bahn München lag im Jahr 2011 bei
93,9 %.
Frage 4: Wie viele Störungen waren durch
a. Fahrzeug- bzw. Personalmangel,
Wegen Fahrzeugmangel (Anzahl verfügbarer Fahrzeuge) gab
es keine Störungen.
Technische Störungen einzelner S-Bahn-Fahrzeuge im
Betrieb verursachten
- ca. 1,4 % aller Störungsfälle
- ca. 2,2 % aller Verspätungsminuten
Durch Personalmangel wurden 2011 keine signifikanten Störungen
verursacht. Lediglich bei Großstörungen haben
umfangreiche Abweichungen vom planmäßigen Betriebsprogramm
trotz der vorhandenen Lokführer – Betriebsreserven
dazu geführt, dass auf Grund von Lenkzeitvorschriften
Übergänge von Lokführern auf Folgezugleistungen in
Einzelfällen nicht gewährleistet waren und hierdurch Züge
zusätzlich verspätet wurden oder ausgefallen sind.
b.
Stellwerksstörungen,DB Netz hat hierzu keine Daten zur Weitergabe zur Verfügung
gestellt verbunden mit Hinweis, der Fragesteller möge sich
unmittelbar an DB Netz wenden.
c. Notarzteinsätze bedingt?
Insgesamt gab es 2011 im Netz der S-Bahn München 247
Notarzteinsätze (auf die Antwort zu
Frage 6 wird hingewiesen).Frage 5: Welche anderen Ursachen waren für Störungen verantwortlich?
Während der Hauptverkehrszeiten war die Kapazität der Stammstrecke
und einzelner Linien (z.B. S 1) zeitweise bis an die Grenze
der Belastbarkeit beansprucht. Die starke Fahrgastnachfrage führte
häufig zu einer Überschreitung der Fahrgastwechsel- und
Haltezeiten und damit zu einem kontinuierlichen
Verspätungsaufbau. In Kombination mit Notarzteinsätzen,
Personen im Gleis oder in Einzelfällen Störungen an Anlagen oder
Fahrzeugen kam es dadurch zu einem starken
Verspätungsanstieg und zur Ableitung von Linien aus der
Stammstrecke z.B. in den Hauptbahnhof München (oberirdisch).
In 227 Fällen führten Personen im Gleis zu Beeinträchtigungen
des S-Bahn-Betriebs in Form von Streckensperrungen und – in
der weiteren Folge – teilweise zu Zugausfällen und Verspätungen.
Auf Grund der hohen Kapazitätsauslastung der Infrastruktur des
S-Bahn-Systems erzeugt jede von einem Ereignis unmittelbar
verursachte Verspätungsminute (Primärverspätung) durch Zugfolgeverspätung
i. d. R. zwei weitere Minuten (Sekundärverspätung).
Die umfangreiche Bautätigkeit von DB Netz und DB Station &
Service zur Instandhaltung und Modernisierung der S-Bahn-
Infrastruktur, beispielsweise die Inbetriebnahme des Elektronischen
Stellwerks Pasing, die Brandschutzsanierungs- und Gleisbauarbeiten
in der Stammstrecke und die Hangsanierung auf der
S 7 West, führten ebenfalls zu Verspätungen.
Frage 6: Wie viele Störungen gab es auf der Stammstrecke im Tunnel?
Auf Grund von Großstörungen und Sperrungen der gesamten
Stammstrecke war es 2011 in 37 Fällen notwendig, abweichend
vom Regelfahrplan Störfallprogramme einzuführen.
Störfallprogramme sind speziell für typisierte Störfälle vorbereitete
Betriebs- und Angebotsprogramme, die kurzfristig eingeführt und
kommuniziert werden können und so die stabile Weiterführung
des Betriebs auf den nicht unmittelbar von der Störung betroffenen
Linien- und Streckenabschnitten im größtmöglichen Umfang
sicherstellen und die Auswirkungen auf die Gesamtheit aller Fahrgäste
möglichst gering halten. Ein Störfallprogramm kann nach
Wegfall der Störungsursache wieder sukzessive in den Regelfahrplan
übergeleitet werden. Die Dauer der Überleitung kann bis zur
vollständigen Rückkehr in den Regelfahrplan je nach Dauer der
Störung/Betriebssituation auf Grund der Komplexität des S-Bahn-
91 der insgesamt 247 Notarzteinsätze bei der S-Bahn München
im Jahr 2011 ereigneten sich in der Stammstrecke. Sie waren die
häufigste Ursache für Störfallprogramme.
Frage 7: Welche Bestellerentgelte wurden der S-Bahn München GmbH
aufgrund der Störungen nicht ausbezahlt?
Aufgrund von Zugausfällen wurden im Jahr 2011 rund 1,4 Mio. €
nicht bezahlt.
Frage 8: Welche Pönale musste die S-Bahn München GmbH aufgrund der
Störungen bezahlen?
Die Pünktlichkeitspönale bei der S-Bahn München lag im Jahr
2011 bei ca. 1,35 Mio. €.